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28. Februar 2020

Was ist "Neue Schweizer Volksmusik"?

Von Florian Walser, künstlerischer Leiter Stubete am See

Die erstmalige Stubete am See in Sils im Oktober 2020 nennt sich Festival für Neue Schweizer Volksmusik. Warum und macht das Sinn?

Volksmusik ist in dauerndem Wandel und war schon immer international geprägt. Die Musikanten im Engadin etwa waren auf Wanderschaft und spielten auch im benachbarten Oesterreich und Italien auf. Dabei hörten sie auch die Musik der dort ansässigen Musikanten und brachten die besten Tänze heim. Aber: Sie spielten die neue Musik quasi in ihrem Dialekt, passten sie also den Gepflogenheiten ihrer Volksmusik an. Das Repertoire in der Schweiz war, seit wir es verfolgen können (also etwa seit 1750) international geprägt. Der Wettstreit, immer die besten Stücke und damit die meisten Besucher bei den Tanzabenden und Konzerten zu haben, war gross. So hat sich das Repertoire einer Kapelle, einer Region und des Landes dauernd verändert.

Ja, so war das früher, und heute ist es gar nicht so anders. Seit den 1990er Jahren hat die Schweizer Volksmusik wieder Fahrt aufgenommen und ist in grosser Veränderung. Und seit da spricht man eben von "Neuer Schweizer Volksmusik". Bereits 2 Generationen von Musikanten sind dafür verantwortlich, dass vermehrt internationaler Folk wieder im Schweizer Dialekt gespielt wird. Und dank dem Studiengang Volksmusik an der Hochschule Luzern hat sich das Tempo der Entwicklung noch beschleunigt.

Durch die viele neu geschriebene Musik an der Stubete am See sind wir ganz vorne an dieser Entwicklung mit dabei. Uns interessiert Tanzmusik, die auf der Basis unserer Tradition entsteht. Weltmusik – gerne, aber aus der Schweizer Optik, also abgerieben wie ein Stein unter dem Gletscher, bis sie rund ist und nach Schweiz klingt.

Pflanzplätz

Eine Gruppe, die diese Bewegung der «Neuen Schweizer Volksmusik» beispielhaft prägt, ist zu Gast an der 1. Stubete am See in Sils: Pflanzplätz. Sie werden das Festival am Freitag abend eröffnen, und Thomas Aeschbacher ist der Komponist des Ländlerorchesters 2020, das extra für die Stubete am See geschrieben wird. Die folgenden zwei Videos geben wider, wie Pflanzplätz die Tradition lebt und erneuert. Einerseits mit dem Tänzli "Im Aemmitau" von Werner Aeschbacher, gespielt auf dem einfachen und alten Langnauerli. Andererseits mit einer modernen Komposition "Nordic Walking" von Thomas Aeschbacher.

«Im Aemmitau»

«Nordic Walking»